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Selten findet sich die Schreibweise "Chi
Gong". Statt "Chi Gong" sollte man
Qigong schreiben. Entsprechendes
gilt für
Bericht von Gisela
(Gisela absolvierte die zweijährige, von BfA-BA/LVA geförderte Vollzeitausbildung)
Seit Februar 2004 leite ich einen Qigong-Kurs an einem Unfallkrankenhaus, der 2x wöchentl./ 1 Std. stattfindet.
Im Rahmen der Schmerztherapie wird in diesem Institut schon seit längerer Zeit die Akupunktur erfolgreich eingesetzt. Die Schmerzstadien reichen von Ruhe– und Belastungsschmerz bis zu Phantomschmerzen. Unterstützend zu dieser Therapie wollten die Ärzte gerade diesen Schmerz-Patienten Qigong anbieten. Vornehmlich sollte der Kurs den Patienten zur Entspannung dienen. Es ist eine "offene Gruppe " an der jeder nach Verordnung teilnehmen kann. Auch die Physiotherapeuten schicken interessierte Patienten. Die Gruppe besteht aus gehfähigen Patienten und Rollstuhlfahrern mit starker bzw. völliger Bewegungseinschränkung der Extremitäten.
Zunächst haben wir das Ziel – die Heilung. Im Mittelpunkt steht der Mensch, der gewisse Bedürfnisse hat (denn es sind ja Schmerzen oder Verspannungen da) und der nach Heilung sucht. Unser Werkzeug, das Tai Chi und das Qigong sind bewährte ganzheitliche Methoden, die Körper und Geist durch bestimmte Bewegungsfolgen in Einklang zu bringen. Das heißt eine gute Kommunikation zwischen den Teilen zu erreichen, eine Einheit zwischen Körper und Geist soll hergestellt werden. Wie bei dem Yin- und Yangzeichen. Einzeln haben die Fische keine Qualität, zusammen ergeben sie aber einen Kreis.
Folgende Punkte wurden den Patienten in den Übungseinheiten näher gebracht:
Vertrauen in die Methode haben,
Ernsthaftigkeit beim Üben, gemeint ist das die Übungen regelmäßig durchgeführt werden und mit der Zuversicht gearbeitet wird das ein positiver Erfolg eintreten wird.
Zutrauen zum eigenen Körper wieder zu erlangen und
mit der Methode zu arbeiten und nicht zu zweifeln, da dies die Methode wirkungslos machen könnte,
- nur durch beständiges Üben stellen sich Heilung und Gesundheit ein.
Das Tai Chi Zentrum hat zusammen mit den Krankenkassen spezielle Gesundheitsprogramme zusammengestellt die in unseren Unterrichten praktiziert werden. Ein Ziel der Qigong-Bewegungen und -Stellungen liegt darin, den Fluss der Energie durch den Körper zu verbessern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Alle eingesetzten Qigongübungen sind aus sporttherapeutischer Sicht sehr funktionell, sie wirken im Sinne ihrer ursprünglichen Zielsetzung aber erst, wenn der Energiestrom, das »Qi« fließt, und nicht allein dadurch, dass die Bewegung ausgeführt wird. Durch die Methode der Übungen wird das Qi, die Energie zum fließen gebracht. Die köpereigenen Energien werden wieder verfügbar gemacht. Durch regelmäßiges Üben stellen sich Besserungen ein wie: mehr Gelassenheit im Alltag, Entspannung, Regulierung der Atmung, Stressabbau, Muskelstärkung. Ziel ist im Qigong mit der zurzeit vorhandenen Energie sparsam umzugehen und den Körper nicht durch sportliche Belastungen zu verausgaben oder zu schwächen. Die Bewegungen sollen eher dazu beitragen Energie zu sammeln, um die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken und die ursprüngliche Energie jederzeit verfügbar zu machen. Eine Ergänzung zu anderen Therapieformen ist die Nutzung von Vorstellungspotentialen für gesundheitsfördernde Veränderungen im Zusammenhang mit nichtmotorischen Bewegungsabläufen. Wir haben hier mit der Bewusstseins- und Wahrnehmungsebenen zu tun, dem Gedächtnis, der Motivation und emotionalen Reaktionen. Offensichtlich ist der Mensch mehr als bisher angenommen dazu in der Lage, durch Bewusstseins- und Körperwahrnehmungsübungen das Geschehen in sich in gesunder und Heilungsfördernder Weise zu beeinflussen. Unter diesem Aspekt kam es zum eigenen Erstaunen der Teilnehmer oft zu Bewegungen und Koordinationsleistungen, die spontan nicht möglich waren. Durch Einbeziehung der Vorstellungskraft und die Lenkung der Gedanken wird von der momentanen Krankheits- und Befindenssituation abgelenkt und so kann eine positive Ausgangssituation für weitere Vorgehensweisen ermöglicht werden.
Die Übungen hatte ich so ausgewählt dass sie von allen Kursteilnehmern ausgeführt werden können, leicht zu erlernen und geringe motorische Anforderungen stellen. Die Konzentration auf die Zielsetzung, beispielsweise den Bewegungsfluss, den Atemrhythmus, die Atemtiefe, die Bewegungsökonomie, den Wechsel von Spannung und Entspannung wird so erleichtert.
Zum Lernen der Übungen gab ich den Patienten Gedächtnisstützen die das einprägen erleichtern und als Hilfe zur Selbsthilfe genutzt werden können. Die Erfahrungen haben bisher gezeigt, dass der Kommentar zu den Übungen gut im Gedächtnis blieb und dadurch die Bewegungen rekonstruiert werden konnten und die Patienten so zum Üben Zuhause motiviert werden konnten.
Im Vordergrund steht auch durch das Erleben der Qigongprinzipien das Wohlbefinden der Patienten zu fördern: Atmung und Bewegung, die natürlichen Rhythmen in unserem Körper erleben und verstehen; das Atembewusstsein durch Bewegung ausdrücken, entspannt fließende und runde Bewegungen nachvollziehen; die Prinzipien »voll und leer«, »führen und folgen«, »öffnen und schließen« erfahren; sich nur in Gedanken bewegen, die Vorstellungskraft nutzen; in seiner Mitte Ruhe finden; Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die eigene individuelle Körperhaltung und rückengerechte, funktionelle Bewegungen entwickeln.
Insgesamt
zeigten die Patienten eine positive Reaktion auf die Übungsauswahl und
Durchführung. Durch die ganzheitliche Methode werden dem Patienten aber auch
mehr Zutrauen zum Körper und eine positive Grundhaltung vermittelt und dadurch
erreicht er mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit im Alltag. Qigong ist
Aktivität, Gesamtheit, Aufmerksamkeit und Bewegung in Verbindung mit Ruhe. Man
tut was man denkt und denkt was man tut.
Die bisherige Auswertung der Ärzte ergab das 50 % der Patienten eine
Verbesserung ihrer Beschwerden durch Qigong angab.
Folgende Patientenaussagen möchte ich meinem Bericht hinzufügen:
- Die Übungen haben mir geholfen meine Körperhaltung zu verbessern, die Schonhaltung durch die Schmerzen wurde weniger.
- Es fällt mir leichter mich zu entspannen.
- Ich kann mich nach den Übungen besser Konzentrieren.
- Die Beweglichkeit und Kraftzunahme in meiner verletzten Hand hat seit ich Qigong mache zugenommen.
- Die entspannte Rückenhaltung bei den Qigongübungen hilft mir auch wenn ich im Alltag lange stehen muss; ich habe weniger Rückenschmerzen, weil ich gelernt habe mich auch im Stehen zu entspannen.
- Die Energien die man beim Qigong freisetzt sind berauschend, man erkennt wie viel Stärke man überhaupt besitzt.
- Die Wolkenhände sind meine Lieblingsübung geworden, vor 4 Wochen konnte ich mir nicht vorstellen mit meinem Arm überhaupt wieder eine Bewegung auszuführen.
- Endlich habe ich die Bauchatmung gelernt, das hat meine Mutter schon immer versucht mir beizubringen, ich konnte es nicht. Das hilft mir jetzt sehr bei der Akupunktur entspannt zu atmen, der Einstichschmerz durch die Nadel ist dadurch geringer.
- Meine Verspannungen durch die Schonhaltung sind weniger geworden und ich kann meinen Arm wieder Schulterhoch heben. Die Besserung ist erst nach Beginn der Qigongübungen eingetreten.
- Die Bauchatmung bringt mir Entspannung und ein wenig Ruhe mitten am Tag. Ein Gefühl der Geborgenheit wie in einem hohlen Baum.
- Seit einem Jahr bin ich von Facharzt zu Facharzt unterwegs und bin regelmäßig in Krankengymnastischer Behandlung, es konnte keine Besserung erzielt werden. Auch die Maßnahmen hier in Boberg haben meine Schmerzen nur verschlimmert. Doch seit ich Qigong mache, sind meine Schmerzen weniger geworden und ich kann schon fast eine Faust mit meiner Hand machen. Ich habe das Gefühl das mir Qigong mehr bringt als die ganzen Therapien letztes Jahr.
- Mein Schmerzmittelkonsum ist seit ich Qigong mache erheblich zurückgegangen.
Diese Aussagen stammen aus einigen anonymen Umfragen aus den Kursen und sind
somit ohne Namen und Krankheitsbildern, sie sollen auch nur die Wirkung von
Qigong auf die Patienten verdeutlichen.
Eisenhemd-Qigong (s. dazu auch die Qigong-Arbeitskreise Qi und Fajin).
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